Der zugrunde liegende Beitrag „Deutschland driftet ab – der Mittelstand ringt um Anschluss“ stammt von Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung und gilt als einer der profiliertesten Experten für die wirtschaftliche Lage des deutschen Mittelstands.
Die Zahlen sind alarmierend:
Insolvenzen auf Rekordniveau: Ende 2025 wurden 23.900 Unternehmensinsolvenzen gezählt – der höchste Stand seit über zehn Jahren und mehr als im Krisenjahr 2014. „Wir haben 2025 einen Rekord an Insolvenzen gesehen, und der Trend wird sich fortsetzen, ich rechne folglich mit neuen Höchstständen“ für 2026, prognostizierte DATEV-Chef Robert Mayr*. Die Insolvenzen treffen besonders Kleinstunternehmen mit bis zu zehn Beschäftigten, die über vier Fünftel aller Pleiten ausmachen.
Geschäftsaufgaben nehmen drastisch zu: So auch die Entwicklung bei regulären Geschäftsschließungen. Im Jahr 2024 stellten 196.100 Unternehmen ihre Geschäftstätigkeit ein – ein Anstieg um 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr und der höchste Stand seit 2011. Bis 2029 planen nach KfW-Berechnungen rund 569.000 mittelständische Unternehmen die Schließung – jährlich etwa 114.000 Betriebe. „Seit über zwei Jahren wächst der deutsche Mittelstand nicht mehr. Das Warnsignal könnte größer nicht sein“, mahnt Hantzsch.
Beschäftigungsabbau: Erstmals seit vielen Jahren sank 2024 die Zahl der Beschäftigten im Mittelstand. Geschätzt 285.000 Arbeitsplätze sind durch Insolvenzen 2025 bedroht oder bereits weggefallen.
Die Erkenntnis: Wir befinden uns nicht mehr in einem normalen konjunkturellen Abschwung, sondern in einer strukturellen Krise. Die Investitionen der Unternehmen liegen seit Ende 2019 real um 6,5% unter dem Vorkrisenniveau.
Dies scheint ein deutsches Phänomen- in anderen, zum Teil auch Nachbarländern, wächst die Wirtschaft und auch die Stimmung und das Investitionsvolumen ist hier trotz weltweiter Krisen positiver.
Was ist nun zu tun?
Nur gemeinsam können wir die strukturellen Probleme Deutschlands angehen, ohne parteipolitisches Taktieren, Populismus und Schönreden.
Ja, Deutschland ist ein starkes Land, und damit es das bleibt, müssen wir jetzt am Fundament für die Zukunft arbeiten, bevor es bröckelt. Die Probleme sind überall erkennbar, lasst uns jetzt handeln.
1. Handeln: Wirtschafts- und Sozial-Reformen zügiger angehen und vorziehen, nicht monatelang in Kommissionen auslagern
2. Bürokratie abbauen: Prozesse vereinfachen, Genehmigungen beschleunigen bzw. endlich die Genehmigungsfiktion flächendeckend einführen, Meldepflichten senken- auf kommunaler und auch bundespolitischer Ebene.
Ausbildungsplatz-Strafabgaben und andere politische Instrumente erhöhen die Bürokratie und verhindern konstruktive Lösungen.
3. Eigenverantwortlichkeit stärken- hierzu finden wir vor allem, dass wir das Bildungssystem reformieren müssen: Schulen und Hochschulen stärker auf Selbstorganisation, Problemlösung und Verantwortungsübernahme ausrichten
4. Steuerlast senken: Gerade für mittelständische Unternehmen sofort, nicht erst 2028 steuerliche Entlastungen schaffen. Dazu gehören auch die Lohnnebenkosten, die ebenso für Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen stetig steigen und Arbeitsplätze gefährden.
5. Innovationskraft fördern: gezielte Unterstützung für Forschung, Entwicklung und den Einsatz neuer Technologien, um Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität zu erhöhen.
6. Nachhaltigkeit vorantreiben: Betriebe bei Dekarbonisierung und Energieeffizienz fördern und unterstützen um Energiekosten zu senken
Das Unternehmensnetzwerk Herzbergstrasse bemüht sich gemeinsam mit Akteuren aus der Politik und Wirtschaft um ein Konzept, das unser Gewerbegebiet energetisch unabhängig machen kann- nicht nur von fossilen Energieträgern, auch von Pfadabhängigkeiten und Fehlanreizen.
*Der DATEV Mittelstandsindex gibt Aufschluss über die aktuelle Geschäftslage, Erwartungen und Herausforderungen im deutschen Mittelstand. Der Fokus liegt auf Stimmungen zu Konjunktur, Investitionen, Beschäftigung sowie zu digitalen und regulatorischen Themen und wird monatlich ermittelt.
